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Lebertran für Kriminelle

In Grossbritanien wird getestet, ob eine bessere Ernährung das soziale Verhalten von Häftlingen verbessert.

Auf eine neue und gleichzeitig sehr alte Idee sind die Verantwortlichen im britischen Strafvollzug gekommen. Jungen Straftätern soll ein Gemisch aus Vitaminen, Mineralien und Fettsäuren in Tablettenform verabreicht werden - als Mittel gegen unsoziales und gewalttätiges verhalten.

Es handelt sich, vorerst noch, um einen Versuch. Drei Jugendstrafanstalten im vereinigten Königreic sollen den Anfang machen. Das Experiment, an dem sich tausend Freiwillige beteiligen sollen, sit das bisher grösste seiner Art. Es wird rund eine Million Pfund, also gut zwei Millionen Franken kosten.

Die am versuch beteiligten Wissenschaftler hoffen auf breiter Basis ähnliche Resultate zu erzielen wie das kleine Jugendgefängnis von Aylesbury, wo die Wohlfahrtsorganisation Natural Justice erstmals die Wirkung einer Essenszugabe in Pillenform unter Gefangenen getestet hat. Jene, die in Aylesbury die Pille schluckten, machten sich 26 Prozent weniger oft disziplinarischer Vergehen schuldig als die Gefangenen, die Placebos nahmen. Gewalttätige Übergriffe kamen sogar 37 Prozent seltener als bei der Placebo-Testgruppe vor.


Ein spezieller Cocktail

Der Grossversuch findet nun im Auftrag des britischen Wellcome Trust statt, und wird von Politikern in London mit grossem Interesse verfolgt. Gewalttätigkeit bei Jugendlichen ist in den letzten Jahren auf der Insel nämlich, wie in anderen Ländern auch, zu einem zentralen Thema geworden. Die Hoffnung besteht, dass ein klug zusammengestelltes und zusätzlich zur Gefängniskost verabreichtes Gemisch aus 30 verschiedenen Vitaminen, Mineralien und Fettsäuren (wie Fischöl) Aggressivität und Gewaltimpulse bremst und so zu einem sozialeren Verhalten der Insassen führt. Falls dem so ist, könnte eine solche Pille bei den Betroffenen auch über die Strafdauer hinaus für mehr Ausgeglichenheit sorgen und Rückfälle verhindern.

Die Testreihe dürfte die ältere Generation noch an die Kriegsjahre erinnern, als britische Forscher die Regierung dazu brachte, die täglich Kost von Schulkindern durch Orangensaft und Lebertran zu ergänzen. Die Initiatoren der Aktion glaubten, dass eine solche Ergänzung nicht nur die Gesundheit der Kinder stärke, sondern auch unsoziales Verhalten unterbinden würde.

Das jüngste Gefängnis-Experiment hat ebenso einflussreiche Befürworter wie Kritiker. Frances Crook, die Direktorin der  Strafrechtsreformgruppe Howard League zum Beispiel, hält den Versuch für "völlig falsch". Man brauche einen sehr viel umfassenderen Ansatz, erklärte Crook der BBC: "Diesen Jugendlichen muss beigebracht werden, wie man einkauft, wie man eine nahrhafte Mahlzeit kocht, und ganz wichtig, wie man sich zusammen mit anderen hinsetzt und isst."
Die Verabreichung der Pille sei keine Lösung, monierte Frances Crook: "Eine Gesellschaft, die glaubt, dass ein junger Straftäter mit einer Tablette geheilt werden kann, die er mit sich in die Zelle nimmt, um sie zusammen mit Fish und Chips zu verspeisen, geht von ziemlich irrigen Vorstellungen aus."




 

 

 

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